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Prof. Dr. Dirk Heinrichs

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Institut für Verkehrsforschung, Mobilität und Urbane Entwicklung

„Berlin ist mein Forschungslabor für Mobilität in Städten und beispielhaft im internationalen Maßstab.“

Tokio, Wien, Santiago de Chile – und natürlich Berlin: Prof. Dr. Dirk Heinrichs, Abteilungsleiter am Institut für Verkehrsforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, erforscht mit seinen Mitarbeitern Mobilitätstrends in Städten weltweit und erklärt die Möglichkeiten, die sich Stadt- und Verkehrsplanung für die Gestaltung lebenswerter Städte bieten.


Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer Forschungsarbeit?

Uns interessieren vor allem das Mobilitätsverhalten von Menschen und die Entscheidungsgründe, z. B. bei der Wahl der Verkehrsmittel und ihrer Fahrtziele. Gerade hier in Berlin gibt es vielfältige Möglichkeiten, unterschiedliche Verkehrs- und Mobilitätsangebote zu nutzen. Dabei analysieren wir auch, welchen Einfluss der städtische Raum und seine Infrastrukturen haben.

Wo in Berlin lässt sich das am besten beobachten?

Am Alexanderplatz. Ich halte mich unheimlich gerne dort auf, weil man sehr genau beobachten kann, wie Menschen in der Stadt zusammen kommen und sich unterschiedliche Verkehrsmittel den Raum dort teilen.

Werden wir mit Hilfe Ihrer Arbeit bald weniger Verkehrsstaus in der Stadt haben?

Ja, das ist eines der Ziele, das wir verfolgen. Welche Möglichkeiten gibt es, damit Verkehr in der Stadt zum Erreichen gesellschaftlicher und ökologischer Ziele beitragen kann? Wie können Lärm, Schadstoff- und Feinstaubemissionen reduziert werden? Und wie können die Menschen gleichzeitig ihre Mobilitätsbedürfnisse bedarfsgerecht und kostengünstig realisieren? Wir analysieren die Möglichkeiten, die sich der Politik bei der Stadtentwicklung und Verkehrsgestaltung bieten.

Welche Rolle spielen Park&Ride-Modelle und Carsharing bei Ihrer Arbeit?

Zunehmende Vernetzung von Mobilitätkonzepten und Angeboten bietet vor allem in den Metropolen Möglichkeiten, unterschiedliche Verkehrsmittel flexibel und bedarfsgerecht zu nutzen und dabei auch längere Strecken schnell zurücklegen zu können. Dadurch entstehen Alternativen zum motorisierten Individualverkehr. Auch beim Carsharing analysieren wir spannende Entwicklungen – sowohl bei den Angeboten als auch bei der Nachfrage.

Was zeichnet den Wissenschaftsstandort Berlin aus?

Vor allem der hohe Anteil an Internationalität unter Studierenden, Kolleginnen und Kollegen. Mich interessieren Phänomene und Trends nicht nur bezogen auf den Standort Berlin, sondern auch im weltweiten Maßstab. In meinen Vorlesungen und Seminaren diskutiere ich mit Studierenden aus Afrika, Asien und Lateinamerika. So haben mich zum Beispiel Studierende aus Kolumbien bereits vor einigen Jahren auf das interessante Thema der urbanen Seilbahnen aufmerksam gemacht. Daraus ist dann ein Forschungsprojekt entstanden.

Was haben Seilbahnen in Kolumbien mit der Stadtentwicklung in Deutschland zu tun?

In Medellín, der zweitgrößten Stadt des Landes, sind Seilbahnen zu einem ganz gewöhnlichen Verkehrsmittel geworden. Jetzt analysieren wir, inwieweit ein solches Verkehrsmittel auch in bestimmten europäischen Städten ein Teil des alltäglichen Verkehrsangebots werden kann.