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Prof. Christine Lang

Technische Universität Berlin

Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der Organobalance GmbH

„Das macht Berlin für mich als Unternehmerin so einzigartig: Für jede Fragestellung finde ich hier wissenschaftliche Expertise.“

Aus winzigen Mikroorganismen gewinnt sie wertvolle Wirkstoffe, die helfen können, die Qualität von Lebensmitteln, Medizin oder Kosmetik zu verbessern. Christine Lang, Geschäftsführerin der Organobalance GmbH und Professorin für Mikrobiologie und Molekulargenetik an der TU Berlin, erklärt, wie sie nach ihrer Promotion in Biologie ein erfolgreiches Unternehmen aufbaute und gleichzeitig ihre Forschungsarbeit fortsetzte.

Wie verlief die Entwicklung von Frau Dr. Lang hin zu Ihrer heutigen Doppelrolle als Professorin und forschende Unternehmerin?

Im Auftrag der Chemischen Werke Hüls hatte ich nach der Promotion in Berlin ein Labor für die Mikrobiologie-Forschung aufgebaut und geleitet. Nach zehn Jahren Arbeit für die Chemieindustrie bin ich an die Technische Universität gewechselt, habe habilitiert und eine Arbeitsgruppe geleitet und 2001 meine eigene Firma gegründet. Die Verbindung von unternehmerischer und wissenschaftlicher Arbeit ist mir sehr wichtig.

Wie haben Sie es geschafft, nach der Firmengründung ohne Risikokapital auszukommen?

Wir hatten Geld mit Dienstleistungen verdient, und ich hatte ein gutes Netzwerk. Durch meine Arbeit in der Industrie und der Universität kannte ich viele Firmen und Institute. Dieses Netzwerk hat geholfen, dass wir recht schnell nach der Gründung der Organobalance die ersten Kooperationsprojekte mit renommierten Firmen und Konzernen umsetzen konnten. Wir haben eine große Sammlung von Mikroorganismen und wissen, wie wir die Diamanten und die Perlen darin finden, und das war für viele interessant.

Was machen Sie mit diesen wertvollen Mikroorganismen?

Wir bieten sie externen Firmen an. Wenn sie einen Wirkstoff, zum Beispiel für einen neuen Joghurt, für Zahnpflege oder Kosmetik brauchen, sind wir diejenigen, die ihn dank unserer Sammlung entwickeln können. So haben wir in den ersten Jahren die Firma aufgebaut und immer größer gemacht.

Wie erleben Sie das Wechselverhältnis zwischen Wirtschaft und Wissenschaft hier in Berlin?

Wirtschaft und Wissenschaft brauchen sich gegenseitig. Deutschland im Allgemeinen und Berlin im Speziellen können wirtschaftlich nur erfolgreich sein, wenn sie Wissenschaft und Zukunftstechnologien fördern – und zwar nicht nur in der IT, sondern auch in modernen Ingenieurswissenschaften und in Life Sciences. Die Wirtschaft braucht immer wieder neue Ideen aus der Wissenschaft, um Innovationen daraus zu entwickeln, sei es in etablierten Firmen oder in Start-Ups. Hier spielen natürlich die zahlreichen außeruniversitären Forschungs-einrichtungen eine bedeutende Rolle. „Brain“ in Berlin gäbe es ohne die Max-Planck-, Fraunhofer-, Leibniz- und Helmholtz-Institute nicht in dem Maße.

Wodurch zeichnen sich die Berliner Universitäten aus?

Durch herausragende Forschung in einer Vielzahl von Disziplinen. Durch die exzellenten Universitäten bekommen die Studierenden einerseits eine gute Ausbildung. Andererseits bieten ihnen die Firmen die Möglichkeit, Praktika zu absolvieren und den Absolventen spannende Arbeitsplätze und die Chance, ihre Ideen in marktfähige Produkte umzusetzen. Das ist also für beide Seiten interessant. Dadurch, dass Berlin für kluge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehr attraktiv ist, bieten sich hervorragende Chancen, gute Leute zu finden