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Prof. Dr. Giuseppe Caire

Technische Universität Berlin

„Alexander von Humboldt-Professor“; Theoretische Grundlagen der Kommunikationstechnik

„Berlin ist für Wissenschaftler der ideale Ort, um exzellente Arbeitsumgebung und Familienleben zu verbinden.“

Er ist einer der global führenden Forscher in der Nachrichtentechnik und hat die Grundlage dafür geschaffen, dass die neue Antennen-Generation für Smartphones und Mobilfunk-Stationen eine extrem effiziente Datenübertragung möglich macht. Der gebürtige Italiener Guiseppe Caire, Professor für Elektrotechnik und Informatik an der Technischen Universität und Kooperationspartner des Heinrich-Hertz-Instituts, erklärt, warum Berlin der ideale Standort für seine Arbeit ist. 

Wie kombinieren Sie Ihre theoretische Forschung an der Universität mit der praktischen Anwendung am Heinrich-Hertz-Institut?

Zwischen theoretischer Arbeit und praktischem Studium gibt es auf meinem Gebiet keinen großen Unterschied. Theorie und Praxis liegen sehr nahe beieinander. Das erzähle ich auch meinen Studenten, wenn sie sich darüber beklagen, dass es in den Kursen so viel Mathematik gibt, und sie stattdessen Anwendungen sehen wollen. Dann sage ich ihnen, dass diese Algorithmen schon jetzt Einfluss auf die nächste Generation ihrer Smartphones nehmen.

Wie weit sind Sie bei der Entwicklung der nächsten Smartphone-Generation?

Wir sind derzeit in der Vorbereitung, und vielleicht findet sie in drei oder vier Jahren Anwendung. Die Menschen wollen Videos streamen und immer mehr Daten empfangen. Deshalb bereiten wir die fünfte Generation vor. Die Nutzung sogenannter Mehr-Antennen-Systeme bietet eine Möglichkeit, sehr große Datenmengen zu verarbeiten.

Welchen Stellenwert hätte dies für die Entwicklung der technologischen Möglichkeiten?

Es ist im Grunde ein Beispiel für etwas, das in der Theorie begonnen hat und jetzt auf dem Weg ist, fundamentaler Bestandteil der nächsten Generation der Mobilkommunikation zu werden. Zu Beginn sah alles noch nach einer sehr theoretischen Idee aus, da eine intensive Antennenkalibrierung erforderlich war. Nur so konnten Signale erzeugt werden, die nicht miteinander interferieren. Nach über zehn Jahren haben sich aus Ideen Möglichkeiten entwickelt. Und in sechs Monaten haben wir hoffentlich unseren ersten Prototypen.

Was ist Ihr Eindruck von der Wissenschaftslandschaft in Berlin?

Es gibt zahlreiche Kompetenzzentren. Besonders auf meinem Gebiet gibt es viele sehr gute Leute, und vor allem zu den anderen Professoren im Informations- und Kommunikationsbereich habe ich enge Kontakte. Es gibt hier eine Art lokale Tradition in angewandter Mathematik. 

Was würden Sie einem Kollegen raten, der darüber nachdenkt nach Berlin zu ziehen und Sie um ihre Meinung bittet?

Ich würde ihm definitiv raten, herzukommen. Für Leute, die am Anfang ihrer Karriere stehen und die auch außerhalb der Arbeit ein Leben haben  wollen, ist Berlin der ideale Ort. Weltweit gibt es sehr viele Orte mit exzellenten wissenschaftlichen Umfeldern, aber oft lassen sich der Beruf und das Privatleben nicht gut miteinander in Einklang bringen. Außerdem sind die logistischen Rahmenbedingungen in Berlin ausgezeichnet, zum Beispiel, wenn ich an die Laborflächen denke. Ich habe eine ganze Etage für mich und kann nach Belieben meine Studenten mit dorthin nehmen. Es war ganz einfach, für uns selbst einen schönen Lehrraum zu schaffen. Dagegen ist es an anderen Wissenschaftsstandorten oft schon kompliziert, auch nur ein paar Quadratzentimeter Fläche zu bekommen.